Commercial Courts: Neue Chancen und Herausforderungen für Haftpflichtversicherer
Am 1. April 2025 wurden in Deutschland im Rahmen des Justizstandort-Stärkungsgesetzes spezialisierte Commercial Courts eingeführt. Diese Senate an Oberlandesgerichten sind darauf ausgelegt, komplexe wirtschaftsrechtliche Streitigkeiten zwischen Unternehmen – darunter auch große Haftpflichtfälle – schneller und effizienter zu bearbeiten. Was bedeutet das für Haftpflichtversicherer? Schnellere Regulierung komplexer Schäden: Commercial Courts bieten die Möglichkeit, hochvolumige Streitigkeiten (ab 500.000 € Streitwert) direkt vor erfahrenen Wirtschaftssenaten zu verhandeln. Die übliche Berufungsinstanz entfällt, sodass nach dem Oberlandesgericht direkt der Bundesgerichtshof angerufen wird. Das beschleunigt Verfahren, reduziert aber auch die Möglichkeiten, Sachverhalte später umfassend zu korrigieren. Internationalität und Vertraulichkeit: Verfahren können vollständig auf Englisch geführt werden – ein Vorteil für internationale Versicherungsprogramme und grenzüberschreitende Streitigkeiten. Zudem wurden die Vertraulichkeitsregeln ausgeweitet, sodass sensible Informationen besser geschützt sind als in regulären Zivilverfahren. Neue strategische Überlegungen: Die Nutzung der Commercial Courts ist freiwillig und setzt die Zustimmung beider Parteien voraus. Claims Handler müssen künftig sorgfältig abwägen, wann dieses Forum sinnvoll ist. Besonders attraktiv sind die erweiterten Vertraulichkeitsoptionen für sensible oder reputationsrelevante Streitigkeiten. […]

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